31. Fachdidaktiktagung 2015 in Hannover

Bericht über die 31. Fachdidaktiktagung in Hannover.

Zur 31. Fachdidaktik-Tagung "BTA werden - für BTA werben! Ein innovativer Zukunftsberuf mit anspruchsvollem Profil" trafen sich am 24. & 25. September 2015 über fünfzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer von fast allen bundesdeutschen Berufsfachschulen an den Sabine Blindow Schulen (SBS) in Hannover.

Die Geschäftsführerin Sabine Blindow stellte im Rahmen der Begrüßungsveranstaltung die Historie der Sabine Blindow Schulen dar. Ausgehend von der Zeit als das heutige Schulgebäude eine Geburtsklinik der Stadt Hannover war, skizzierte Frau Blindow die Entwicklung der unterschiedlichen Schulformen bis zur Berufsfachschule für Biologisch-technische Assistenten in bunten Farben. Der Schulleiter Detlef Schröter ging kurz auf das Schulprogramm der SBS ein, um die familiäre Arbeitsatmosphäre und das hohe Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hervorzuheben.

Trotz mancher Widrigkeiten durch Baustellen schilderte der Bürgermeister der Stadt Hannover, Herr Thomas Hermann, die Vorzüge seiner Stadt mit viel Grün in der City, den lebendigen Stadtteilen und der kulturellen Vielfalt in der Südstadt. Es stellt sich heraus, dass der Bürgermeister in der Tat in dem Gebäude der SBS das Licht der Welt erblickte. Heute sieht er die Entwicklung der SBS als Bereicherung der Schullandschaft der Stadt Hannover.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises Biologisch-Technische Ausbildung im Verband dankte Frau Blindow, dem Schulleiter Herrn Schröter und dem Bürgermeister Herrn Hermann sowie den Kolleginnen und Kollegen der lokalen Organisation, den Vertretern des Springer Verlages und den Kolleginnen und Kollegen, die von den Berufsfachschulen aus ganz Deutschland angereist waren, bevor er die 31. Tagung an den SBS in Hannover 2015 eröffnete.

 


 

Nach einer kleinen Stärkung durch Backerzeugnisse eines bekannten Hannoveraner Keksherstellers bewegten sich die Tagungsteilnehmer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Dort führte Frau Dr. Anja Schlotzhauer in die Vortragsreihe ein und stellte die Vortragende vor.

An der Klinik für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie gewinnen zunehmend Biomaterialien eine große Bedeutung bei der Regeneration von Haut und Nerven. Die Biologin Frau Prof. Kerstin Reimers-Fadhlaoui stellt in ihrem ersten Vortrag dar, dass native Spinnenseide dafür ein geeignetes Biomaterial ist (Vortrag: "BiomedizinischeAnwendung von Spinnenseide"). Um die Spinnenseide aus Spinnen zu melken, wird die Spinndrüse gereizt, die die Fäden produziert. Die feinen Fäden sind fünfmal reißfester als Stahl aber extrem elastisch, sodass sie auf Rahmen von verschiedener Größe und Form aufgewickelt werden können. Unter Berücksichtigung des Tierschutzes werden so aus einer Spinne mit einer speziell entwickelten mechanischen Wickelmaschine bis zu 500 Meter Faden täglich gewonnen. Damit aus den Fäden ein Transplantat wird, wird ein Stück Vene verwendet, deren Zellen zuvor entfernt wurden. Die Vene wird dann mit der Spinnenseide ausgekleidet. Danach wird diese Mini-Röhre als Transplantat eingesetzt, um einen Nervendefekt zu überbrücken. Die Spinnenseide regt das axonale Wachstum neuer Nervenzellen an und wird anschließend im Körper aufgelöst. Darüber hinaus wurde Spinnenseide als Trägermatrix zur Züchtung künstlicher Haut erfolgreich eingesetzt, da die Spinnenseide sowohl die Adhäsion wie auch die Proliferation der Zellen fördert, ohne dass es zu immunologischen Reaktionen kommt (siehe auch "Tissue engineering peripherer Nerven mit Spinnenseide" an der MHH).

Nach diesem eindrucksvollen ersten Forschungsprojekt wechselte Frau Prof. Kerstin Reimers-Fadhlaoui zu ihrem zweiten Forschungsschwerpunkt. Sie und ihr Team erforschen nicht nur Spinnen sondern auch die Regenerationsfähigkeit des Axolotls, für dessen Arterhaltung sie sich schließlich intensiv einsetzen. Das Phänomen der vollständigen Regeneration amputierter Gliedmaßen bei Amphibien beruht auf noch größtenteils ungeklärten molekularen Signalwegen. Daher erforscht Frau Prof. Kerstin Reimers-Fadhlaoui das Transkriptom, das den Prozessen der Wundheilungsfähigkeit des Lurchs zugrunde liegt. Dabei gelang ihr die Identifizierung einer epidermalen Lipoxygenase (AmbLOXe) aus dem Regenerationsblastem des Axolotls. Dieses Enzym zeigt eine Verwandtschaft zu den Lipoxygenasen, die auch in der Haut von Säugetieren so auch des Menschen gefunden werden. In ihren Untersuchungen zur biologischen Wirksamkeit zeigte sich, dass die AmbLOXe Botenstoffe produziert, die Zellen an Wundrändern zu schnellerer Migration anregen. Eine Hemmung der AmbLOXe wirkte sich dagegen inhibierend auf Zellteilung und Migrationsverhalten der Zellen aus. (Vortrag: "Gliedmaßenregeneration des Axolotls")

Es konnten zwei Gene genauer charakterisiert werden. Das zur Familie der F-Box Proteinen gehörende Non-specific cytotoxic cell receptor protein 1 (NCCRP1) konnte erstmals für vierfüßige Wirbeltiere beschrieben werden und impliziert nicht nur eine evolutionäre Erhaltung der nichtspezifischen zytotoxischen Zellen, einer Sondergruppe der NK-Zellen, sondern auch deren Bedeutung bei der immunologischen Kontrolle der Gliedmaßenregeneration. Zur molekularen Darstellung der Gliedmaßenregeneration wurde ein Yeast Two Hybrid Screen durchgeführt, um Interaktionspartner des Transkriptionsrepressors Msx1 zu finden (siehe auch "Ambystoma Bioregeneration Center Niedersachsen" an der MHH).

Nach der Kaffepause schilderte Herr Dr.-Ing. Tilman Fabian die Aufgaben und Ziele des Exzellenzcluster REBIRTH. Dieser international renommierte Forschungsverbund für regenerative Medizin mit 250 Wissenschaftlern in 60 verschiedenen Arbeitsgruppen erforscht in interdisziplinärer Zusammenarbeit innovative therapeutische Strategien für die Organsysteme Blut, Herz, Lunge und Leber. Zu der Philosophie von REBIRTH gehört es, Synergien zwischen Medizin, Biomedizin, Physik, Chemie und Ingenieurwesen herzustellen. Dabei ergänzen Materialwissenschaften, Chemie und Physik die biomedizinischen Entdeckungen durch die Entwicklung innovativer Technologien, die neue Potenziale für die Zell- und Gewebezucht schaffen. (Vortrag: "From Regenerative Biology to Reconstructive Therapy").

Die strukturelle und wissenschaftliche Aufstellung des Forschungsverbundes ermöglicht es, die konventionellen Grenzen der Medizin zu überwinden. Dies ermöglicht einen zukunftsorientierten Blick auf Gesundheit und Krankheit, um Zusammenhänge zwischen Regeneration und Entzündung, Degeneration und Infektion oder Alterung und Tumorentwicklung zu entschlüsseln. Nicht zuletzt in der Neujahrsansprache der Kanzlerin teilte Frau Angela Merkel diese Visionen des Exzellenzclusters REBIRTH. (siehe website des "Exzellenzcluster Rebirth").

Damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich selber einen Eindruck von der Exzellenz machen können, haben sich acht Forscherinnen und Forscher von Area A, B1, B2 und C bereit erklärt ihre aktuellen Forschungsarbeiten im Rahmen von Laborführungen vorzustellen. Die Fülle an Angeboten an der MHH wurde von Frau Dr. Anja Schlotzhauer optimal organisiert. Manchmal musste das Los jedoch entscheiden, wer in welches Labor geführt wurde. Ein Überblick über alle Laborgruppen würde den Rahmen dieses Berichtes übersteigen. Aber Informationen über alle Gruppen, also von induzierten Stammzellen bis MRT bei Mäusen nach einer Herztransplantation, finden sich auf der Rebirth-website unter diesem link.

Da das Exzellenzcluster Rebirth letztlich seine Forschung auch in der Öffentlichkeit transparent machen will, gibt es bei Rebirth das kostenfreie Angebot einer Herbstakademie für Lehrerinnen und Lehrer.

Nach diesen hochkarätigen Informationen und lebendigen Diskussionen fand der erste Tag der Fachdidaktik-Tagung in „Meiers Lebenslust“ seinen Abschluss. Beim Abendessen entwickelte sich unter den Teilnehmern aus den unterschiedlichen Berufsfachschulen neben dem intensiven Austausch von Unterrichtserfahrungen schlussendlich auch anregende Gespräche über die gehörten Forschungsergebnisse und wie diese in die Biologisch-Technische Ausbildung einfließen können.

 

Der zweite Tag startet mit einer Besichtigung und Führung durch die Sabine Blindow Schule an der Baumstraße. In der ehemaligen Geburtsstation werden heute zahlreiche Laborkurse der CTA- und BTA-Ausbildung durchgeführt. Durch den Ausbau des daneben liegenden Hauses ist es möglich, sämtliche Lernfeldern des BTA-Bildungsganges, von Photometrie, Lebendzahlbestimmung von Algenkulturen, Untersuchung von Trinkwasser bis zu sterilen Arbeitsmethoden im Zelllabor zu vermitteln. Dabei wurde der familiäre Charakter sowohl in der Kantine wie in den Außenanlage der SBS erhalten.

Nach der Führung durch die SBS tagte der AK-BTA. Zu Beginn fasste der Vorstand die Aktivitäten des Jahres 2014/2015 zusammen. So wurde die Mitarbeit des AK-BTA am Bündnis TA verstärkt. Eine Webpräsenz des Bündnis TA aufgebaut und ein Jahrestreffen der fünf Verbände etabliert. Daneben wurde im letzten Jahr die BTA Broschüre fertig gestellt, die nun an jeder Bundesagentur für Arbeit ausliegt. Jede Berufsfachschule des AK-BTA kann die Broschüre über VBIO und VBTA formlos bestellen. Darüber hinaus steht der BTA Film allen Mitgliedern des AK-BTA auf den Internetseiten des AK-BTA in digitalisierter Form zur Verfügung. Schließlich ist der Miltenyi Biotec Preis seit diesem Jahr 2015 nicht mehr auf Nordrhein-Westfalen beschränkt, sondern wird für alle Berufsfachschulen für BTA bundesweit ausgeschrieben.

Der Vorstandsvorsitzende Herr Hartmut Böhm dankte den ausscheidenden Mitgliedern, Herrn Dr. Udo Kampschulze und Herrn Raimund Gottschalk, für ihre exzellente Vorstandsarbeit in den letzten Jahren. Über Anfragen und aktuelle Arbeitsgebiete des VBTA informierte anschließend die erste Vorsitzende des VBTA, Frau Dr. Lindemann. Sie stellte die Situation des Arbeitsmarktes für BTA dar.

In Zukunft wird der AK-BTA im Rahmen des Projektes “AK-BTA 4.0“ die Themen des Qualitätsmanagements in biologischen Laboren und Entwicklungen des sogenannten digitalen Labors in den Focus stellen. Die Öffentlichkeitsarbeit für die BTA-Ausbildung wird weiter verstärkt werden. Während der Sitzung wurden dazu in drei Arbeitsgruppen Vorschläge gesammelt und strukturiert. Alle Details der Sitzung und zur nächsten Fachdidaktik-Tagung 2016 sind dem Protokoll der Sitzung zu entnehmen.

Nach einem deftigen Mittagstisch fuhren die Mitglieder des AK-BTA gestärkt zum sogenannten Berggarten. Der Berggarten ist ein unverwechselbares Stück Gartenkultur mit über 300-jähriger Geschichte und gehört zum Gartenareal der Herrenhäuser Gärten in Hannover. Nach der Einführung in die Entstehungsgeschichte des Gartens wurden unter fachkompetenter Führung die unterschiedlichen Bereiche erkundet. Bei strahlendem Sonnenschein fand die Tagung 2015 an den SBS in Hannover im Berggarten ihr Ende.

Für die entsprechenden Bilder zur Tagung bedanken wir uns bei Frau Dr. Lindemann vom VBTA und Frau Dörte Bütefisch von den SBS. Alle Bilder findet man demnächst in der Fotogalerie.

Ganz besondere Anerkennung gilt Frau Karin Stach und ihren Mitarbeitern sowie den Auszubildenden an den SBS für die exzellente Organisation der Veranstaltung!
(Mehr dazu im Bericht der SBS über unsere Tagung)

 

 

 

 

 

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