23. Fachdidaktiktagung in Hamburg

Bericht über die 23.  Fachdidaktiktagung der BTA-Schulen Deutschlands

Die Tagung fand am Donnerstag, dem 20. und Freitag dem 21. September 2007 an der Staatlichen Gewerbeschule G13 in Hamburg statt.

Am Donnerstag ab 11.00 Uhr Ankunft der ersten Teilnehmer im Biozentrum Klein Flottbek. Dieser Bereich der Universität Hamburg ist der Kooperationspartner der Staatlichen Gewerbeschule Chemie, Agrarwirtschaft und Pharmazie (G 13) in der BTA-Ausbildung. Das Biozentrum sichert die Praktikumsplätze und die Betreuung der BTA-Praktikanten während des einjährigen Praktikums.

 


 

Nach der Stärkung durch einen Imbiss, angeboten von einer BVJ-Klasse der G 13, folgte eine kurze Einführung von Herrn Prof. Dr. G. Adam in die Historie und die Arbeitsbereiche des Biozentrums: Phytomedizin, Mikrobiologie und Aufgaben als Pflanzenschutzamt Hamburg. Die Ursprünge des Zentrums liegen bereits vor Gründung der Uni Hamburg, da die Hamburger Kaufleute durch ihren Welthandel bedingt Informationen über die Pflanzen benötigten (Botanisches Institut).

Anschließend ging es mit einem knallgelben amerikanischen Schulbus ins benachbarte DESY (Deutsches Elektronensynchroton). Der Einführungsvortrag wurde von einer jungen Physikerin gehalten, die es verstand, ihre Begeisterung über die Erforschung des „Elementarteilchenzoos“ auf uns zu übertragen. Neben dem ursprünglichen Ziel des DESY: Aufklärung der subatomaren Strukturen, kam auch der Aspekt der Aufklärung von Proteinstrukturen nicht zu kurz. Diese Forschungsrichtung wird am DESY betrieben, da bei der Erzeugung des hochenergetischen Elektronenstrahles die Synchrotonstrahlung (hochenergetische Strahlung mit definierten Wellenlängen) „abfällt“ und damit Feinstrukturen durch Beugung ermittelt werden können (u.a. im HASYLAB). Der Rundgang in drei Gruppen über das DESY Gelände verdeutlichte den enormen technischen Aufwand, um den Strahl zu erzeugen (Kältetechnik, Supraleitfähigkeit….) und um die Elementarteilchen und Bruchstücke zu detektieren. Für die Strukturaufklärung der Proteine ist interessant, dass demnächst eine Synchrotonstrahlung mit noch höherer Energiedichte zur Verfügung stehen wird, die es ermöglichen soll, dass mit Hilfe eines “Energieblitzes“ die Struktur nur eines Moleküls aus der Beugung zu berechnen! Dies hat den Vorteil, dass dann die Strukturen aller Proteine ermittelt werden können, da dies bisher nur bei denen gelingt, von denen sich Kristalle herstellen lassen können (ca. 50 %).
 
Anschließend ging es mit dem Bus zu den Landungsbrücken zur 1 ½ stündigen Hafenrundfahrt mit der „Klein Erna“: Containerschiffe, -Entladebrücken, Werften, Schleusen, Speicherstadt, neue Hafencity, Probleme der Elbvertiefung, Hafenerweiterung sowie einer Kollision („Bumms“) mit Fleetmauer und Duckdalben. Der Ausstieg erfolgte am St. Pauli Fischmarkt, wo nach einem kurzen Spaziergang der Abend im Fischerhaus mit Blick auf das zweitgrößte Schwimmdock Europas ausklang.

Der Freitag begann mit Verspätung, da die Hamburger S-Bahn Betriebsstörungen hatte und einige Hotels ihr Frühstück nicht mit der BTA-Tagung abgestimmt hatten. In seiner Begrüßung ging der Schulleiter der G 13 Herr T. Schlüter auf die unterschiedlichen Bildungsgänge der Schule ein:

  • Duales System: Floristen, Gärtner, Pharmzeutisch- kaufmännische Angestellte (PKA), Chemie- und Biologielaboranten.
  • Berufsfachschulen: BTA, CTA , CTA + allgemeine Hochschulreife, PTA.
  • Weiterbildung: Fachschule für Chemietechnik in Abendform und Fachschule für Gestaltung (Floristik).
  • Berufsvorbereitung: Berufsvorbereitungsklassen im Gartenbau und in der Floristik
Es folgte die Vorstellung des Hamburger Modells der BTA-Ausbildung: Die Praktikumsleiterin Frau Dr. F. Donkor und Herr U. Pugnat erläuterten die schulische Phase (Lernfelder) und die Praktikumsphase (drei viermonatige Praktika in einem Jahr in unterschiedlichen Institutionen). Obwohl die Praktika von allen Schülern nicht alle identisch sind, steht am Ende der Ausbildung eine gemeinsame praktische Prüfung.

 

Prof. Dr. U. Hahn wurde als Gastredner geladen, um über „Apatamere“- Antikörper aus der alten Welt“ zu berichten.
Die Strukturaufklärung von Biomolekülen, wie z.B. man sie zum Beispiel im HASYLAB des DESY betreibt, wird bedeutender, da die dreidimensionale Betrachtung der Biomoleküle unmittelbar zum Verständnis der biochemischen Reaktionen beiträgt.
Eine große Anzahl von RNA-Molekülen besitzt neben einer enzymatischen Aktivität (Ribozyme) eine definierte dreidimensionale Struktur.
Im Umkehrschluss bedeutet dieses, dass es z.B. zu einem Zielmolekül ein passgenaues RNA-Molekül geben kann. Nur wie findet man diese passgenaue RNA?
Mit Hilfe eines in vitro-Selektionsprozesses!

Eine Säule wird mit dem Zielmolekül bestückt. Ein Mix aus kurzen Random-RNA-Molekülen, welche spezifische terminale Sequenzen für die T7-RNA-Polymerase aufweisen, wird über die Säule gegeben. Passende RNA verbleibt am Zielmolekül auf der Säule. Die Anreicherung dieser RNA-Spezies erfolgt dann mit Hilfe der RT-PCR und der T7-RNA-Polymerase, wobei insgesamt mehrere Runden absolviert werden. Die Verwendungsmöglichkeiten dieser spezifischen RNA-Moleküle (Aptamere: aptus [lat.] = passend, genau angepasst) sind vielfältig, da sie sich in gewisser Weise ähnlich wie Antikörper verhalten.

 

Anschließend die beiden Firmenpräsentationen:
  • Herr K. Willeke von der Firma Olympus gab eine kurze anschauliche Einführung in die Fluoreszenz Stereomikroskopie und zeigte beeindruckende brillante Bilder von biologischen Materialien. Jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit die Bilder nicht nur über den Monitor, sondern selbst im Mikroskop zu sehen.
  • Herr Dipl.-Ing. J. Westermann von der Firma Immunbiologie und Immunchemie mbH (IBL) berichtete über die Entwicklung und Anforderungen von immunologischen Assays.


Das Mittagessen wurde serviert im Lehrrestaurant der Nachbarschule (Berufsschule für Werktechnik) und mit zufriedenen entspannten Gesichtern der Teilnehmer wurde das Tagungsfoto „geschossen“.

Es folgte ein Rundgang durch einige Labore der G 13 und Gespräche mit den dort tätigen KollegInnen.

In der anschließenden Sitzung des Arbeitskreises BTA-Ausbildung des VBIO wurde zunächst die Arbeitsmarktsituation der Biologisch-Technischen Assistenten diskutiert.

Herr Wittling, Vorsitzender des VBTA, erläuterte die Problematik, den Arbeitsmarkt für BTA zu analysieren und wies darauf hin, dass die Statistik der Arbeitsagentur kein verlässliches Bild des Arbeitsmarktes für BTA zeichnet, da die meisten Stellen nicht über die Arbeitsagentur vermittelt werden.

Die spontane Abfrage der anwesenden Kolleginnen und Kollegen der BTA-Schulen ergibt ein insgesamt verbessertes Bild des Stellenangebots ( 12 Kollegen schätzen die Stellenentwicklung positiv, 12 etwa gleichbleibend und 5 schlechter als vor einem Jahr ein.)

Als wichtigster Tagesordnungspunkt stand die Verabschiedung des Kollegen Hartmut Walter, Abteilungsleiter der Jörg-Zürn Gewerbeschule in Überlingen, auf der Agenda. Dr. Kampschulze würdigte in seiner Laudatio die herausragenden Verdienste von Hartmut Walter für den Arbeitskreis. Hervorzuheben ist, dass Hartmut Walter bereits Anfang der achtziger Jahre die Idee hatte, die zu dem Zeitpunkt wenigen BTA-Schulen einzuladen und sich über fachdidaktische Themen auszutauschen. Er trug wesentlich dazu bei, dass aus dieser Assoziation ein Arbeitskreis gegründet wurde. Mittlerweile ist dieser Arbeitskreis eine feste  Einrichtung des Verbandes Deutscher Biologen und ein Impulsgeber für alle Fragen rund um die BTA-Ausbildung. Viele Jahre lang war Herr Walter Vorsitzender des Arbeitskreises. Durch ihn wurden die „Braunschweiger Essentials“, ein Ausbildungsstandard, ins Leben gerufen. Durch diese Essentials gibt es seit vielen Jahren Vorgaben für eine gute Ausbildungsqualität. Im Namen des Arbeitskreises bedankt sich Dr. Kampschulze bei Herrn Walter für die geleistete Arbeit und wünscht ihm viel Kraft und Energie für den Einstieg in den Ruhestand.

Als weiterer TOP stand die Akkreditierung der BTA-Ausbildung zur Diskussion.

Im Rahmen einer Akkreditierung werden Ausbildungsinhalte der BTA-Ausbildung für ein Bachelorstudium anerkannt. Die teilnehmenden Schulen werden im November bis Dezember 2007 begutachtet und über das Ergebnis wird bei der nächsten Fachdidaktiktagung berichtet.

Wie in jeden Jahr wird es auch 2007 eine Fortbildungsveranstaltung geben. Auch in diesem Jahr findet die Veranstaltung unter der bewährten Leitung von Dr. Klaus Fuisting am Berufskolleg Kartäuserwall in Köln statt. Das Thema des Workshops lautet „Perspektiven der Microarray Technologie“.

Die Homepage des Arbeitskreises, betreut von Dr. Jürgen Kurrat, ist unter der Webadresse ak-bta.de sehr leicht zugänglich. Auf dieser Homepage findet sich auch eine Liste aller BTA-Schulen und natürlich auch die Einladung zur nächsten BTA-Tagung.

Die nächste und damit  24. Fachdidaktiktagung  findet vom 25. – 26.9.2008 in Berlin statt. Die ausrichtenden Schulen sind die Lise-Meitner Schule und die Technische  Berufsfachschule des Lette Vereins.

Ein Thema dieser Tagung soll der Informationsaustausch über das Akkreditierungsverfahren sein.

Abschließend bedankte sich Dr. Kampschulze im Namen des Arbeitskreis für die hervorragende Organisation und Durchführung der 23. Fachdidaktiktagung in Hamburg durch die Staatliche Gewerbeschule G13.  Dabei galt der besondere Dank Herrn Pugnat und Frau Dr. Lösch.

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