27. Fachdidaktiktagung in Marburg

Bericht über die 27. Fachdidaktiktagung in Marburg.

Weit über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Schulen für die Ausbildung von Biologisch-technischen Assistenten (BTA) aus dem gesamten Bundesgebiet trafen sich am 15. und 16. September 2011 in Marburg auf der 27. Fachdidaktik-Tagung des Arbeitskreis Biologisch-Technische Ausbildung (AK-BTA) des Verbandes Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin (VBIO). Damit hatten Frau Beate Ullrich und ihre Fachkolleginnen und Kollegen an der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) durch ihr interessantes Programm die Teilnehmerzahl im Vergleich zu den Vorjahren weiter steigern können. Schon vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung wurden lebhaft beim Imbiss Informationen über die Ausbildung von BTA ausgetauscht.

 


 

Nachdem der Schulleiter Herr N. Herlein die Mitglieder des AK-BTA begrüßt hatte, führte Herr Dr. Roller das Thema der Tagung "Die Berufsrahmenqualifikation für BTA im Licht des Europäischen Qualifikationsrahmens" ein. Danach stellte er die Studiendekanin des Fachbereichs Biologie der Philipps-Universität Marburg, Frau Dr.Brandis-Heep, als Hauptrednerin vor.

In ihrem Vortrag informierte Frau Dr. Brandis-Heep über die Historie des Bologna-Prozesses und den Bachelor-Studiengang Biologie an der Uni Marburg. Nachdem sie die Ziele des Bologna-Prozesses für den Bachelor-Studiengang als ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss dargestellt hatte, standen im weiteren die Modularisierung, die Akkreditierung und das European Credit Transfer System (ECTS) im Zentrum ihres Vortrages. Schließlich erläuterte Frau Dr. Brandis-Heep über das Leistungspunkesystem die acht Niveaustufen des Europäischen Qualifikationsrahmen. Das von Frau Dr. Brandis-Heep erklärte Skalierungsprinzip des Europäischen Leistungspunktesystem ist für die Einstufung der beruflichen Bildung in den Deutschen Qualifikationsrahmen unerlässlich. Die Beschreibung der Niveaus durch sogenannte Deskriptoren von Lernergebnissen bereitete die Zuhörer optimal auf die vor ihnen liegenden Aufgaben in den verschiedenen workshops vor. Die vielen Beiträge in der anschließenden Diskussion zeigten das große Interesse daran, wie die Berufsrahmenqualifikation für BTA konkret den Stufen des Deutschen Qualifikationsrahmen zugeordnet werden könnte und welche Konsequenzen dies für die Ausbildung von BTAs haben könnte.

Nach dem exzellenten Vortrag von Frau Dr. Brandis-Heep startete die Arbeitsphase zur Aktualisierung der Berufsrahmenqualifikation für BTA. Dazu wurden sieben workshops über das neue Berufsbild der BTA geöffnet, die zum Teil verschiedene Aspekte der Bearbeitung berücksichtigten. In jedem workshop wurden die unterschiedlichen Arbeitstechniken und Arbeitsvorgänge in der BTA-Ausbildung nach den Bedingungen des Deutschen Qualifikationsrahmen neu strukturiert:

Workshop 1: Dr. Daniel Keß, Dr. Wolfram Müller (Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen): Das neue Berufsbild der Biologisch-Technischen Assistenten – Wie können BTAs mit unterschiedlicher Zugangsvoraussetzung in der Berufswelt von Unternehmen ihr Können zeigen?

Workshop 2: Dr. Stephan Wahle (Berufskolleg Hilden): Das neue Berufsbild der Biologisch-Technischen Assistenten – Was erwartet die Industrie von der BTA-Ausbildung?

Workshop 3: PD Dr. H. Böhm (Berufskolleg Hilden), Thomas Wittling (VBTA): Das neue Berufsbild der Biologisch-Technischen Assistenten - Die Sicht der Verbände.

Workshop 4: Dr. Anke Lösch (Staatliche Gewerbeschule Hamburg): Das neue Berufsbild der Biologisch-Technischen Assistenten – „learning outcomes“ der BTA-Ausbildung

Workshop 5: Herbert Laukel, Anja Assmann (Elisabeth-Knipping-Schule Kassel): Das neue Berufsbild der Biologisch-Technischen Assistenten – „learning outcomes“ der BTA-Ausbildung

Workshop 6: Dr. Udo Kampschulze (Berufskolleg Olsberg): Das neue Berufsbild der Biologisch-Technischen Assistenten – „learning outcomes“ der BTA-Ausbildung

Workshop 7: Annette Mattern, Andrea Staub (Naturwissenschaftlicher Technikum Dr. Künkele Landau): Das neue Berufsbild der Biologisch-Technischen Assistenten – „learning outcomes“ der BTA-Ausbildung

Nach drei Stunden intensiver Arbeit blieb aufgrund der Rückmeldungen aus den workshops festzuhalten:

1. Es besteht ein hohes Interesse an einem Informationsaustausch mit Industrievertretern
2. Keine der Arbeitstechniken und Arbeitsvorgänge der vorliegenden Berufsrahmenqualifikation von 1998 soll gestrichen werden.
3. Arbeitstechniken und Arbeitsvorgänge können mit dem Begriff Tätigkeit und Tätigkeitsfeld beschrieben werden. Es empfiehlt sich, die Summe aller Tätigkeiten als Tätigkeitsprofil zu bezeichnen.
4. Einige Tätigkeitsfelder sollen in das Tätigkeitsprofil aufgenommen werden, wie zum Beispiel: Qualitätsmanagement, Projektmanagement, Bioinformation sowie Dokumentations- und Präsentationstechniken in deutsch und wissenschaftlich -technischem Englisch.
5. Eine Umsetzung der Tätigkeiten der Berufsrahmenqualifikation für BTA in den Deutschen Qualifikationsrahmen ist mit Hilfe der Deskriptoren im Prinzip gut durchführbar. In nächster Zukunft muss dies für jede Tätigkeiten von den Kolleginnen und Kollegen umgesetzt werden, die das Tätigkeitsfeld unterrichten.
6. An der Tischvorlage über die Leitziele der Ausbildung BTA wurden einige gemeinsame Änderungen vorgenommen. Unverändert bleibt, dass der praktische Lerninhalt 50% der Ausbildungsstunden nicht unterschreiten soll. Das Niveau der Berufsrahmenqualifikation für BTA entspricht nach Meinung der überwiegende Zahl der Mitglieder des AK-BTA der Stufe 5 des Deutschen Qualifikationsrahmen, kann an den verschiedenen Schulen in Teilen durchaus eine höhere Niveaustufe erreichen. Welche Niveaustufe maximal an BTA Ausbildungsstätten erreicht werden kann, wurde lebhaft diskutiert.
7. Alle Vorschläge sollen möglichst zeitnah vom Vorstand des AK-BTA in die Berufsrahmenqualifikation eingearbeitet werden. Details der Niveaufindung, die in einigen workshops begonnen wurde, sollen durch Charakterisierung der Tätigkeiten mit Hilfe der Deskriptoren des Deutschen Qualifikationsrahmen von den Fachlehrerinnen und Fachlehrern der BTA Ausbildungsstätten, die die workshops moderierten, bundesweit einheitlich, in Kohärenz der jeweiligen Lehrpläne ausgearbeitet werden.

Aufgrund der Vielzahl der erreichten Ergebnisse startet die Mitglieder-Sitzung des AK-BTA eine halbe Stunde später als geplant.
Im Rahmen der Sitzung des AK - BTA berichtete der Vorsitzende des VBTA, Herr T. Wittling, von der aktuellen Arbeitsmarktsituation. Die Fortbildungsveranstaltung des AK-BTA für das Jahr 2011 wurde von Herrn Dr. S. Wahle vorgestellt. Die Kollegen Dr. K. Fuisting und Dr. H.-J. Kurrat wurden für ihr langjähriges Engagement für den AK-BTA geehrt. Schließlich wurden die zukünftigen Projekte vorgestellt und Angebote für die nächsten Tagungsorte vorgebracht. Wer sich für die neuen Perspektiven, Innovationen in der BTA - Ausbildung oder auch nur für die Fachdidaktiktagung 2012 interessiert, schaut im Protokoll zur Sitzung des AK- BTA vom 15.9.2011 nach.

Seinen Ausklang fand der erste Tag im „Lokal Central“ mit einem gemeinsamen Abendessen in der Oberstadt Marburg.

Der nächsten Tag begann mit einem Bustransfer von der Adolf Reichwein Schule zum Naturwissenschaftlichen Technologiezentrum, in dem sich die Ausbildungslabore der ARS befinden. In den S1-Laboren der BTA Ausbildung in Marburg stand genügend Zeit zur Besichtigung der Räumlichkeiten und Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen der ARS zur Verfügung.

Um 9:30 startete der Tagungsbus in Richtung des Instituts für Gewässerschutz der Mesocosm GmbH.. Bei strahlendem Sonnenschein begrüßt der wissenschaftliche Institutsleiter Dr. K. Peter Ebke die Teilnehmer der Tagung auf der ehemaligen hessischen Staatsdomäne Neu-Ulrichstein. Im Hörsaal des Instituts für Gewässerschutz gab er einen umfassenden Einblick in das Wissenschaftsgebiet der Ökotoxikologie. Aus seiner Sicht sollte die Ökotoxikologie in die Berufsrahmenqualifikation einbezogen werden. Anschließend stellt Dr. Ebke Europas größte Teichforschungsanlage vor. An den sogenannten Mesokosmen, die mehrere tausend Liter Wasser enthalten, werden die Umweltwirkung von Substanzen unter definierten nach DIN ISO/EC untersucht. Ein einzelner Mesokosmos gibt einen einzigartigen Einblick in Teich-Ökosysteme, wobei in Zukunft auch Fließgewässersystem untersucht werden sollen. Für die anspruchsvollen Mikro- und Mesokosmosstudien des GLP zertifizierten Instituts für Gewässerschutz werden immer engagierte biologisch - technische Mitarbeiter gesucht. Ein deftiges Mittagessen im Freien, mit Salzkuchen und Erfrischungsgetränken, beschließt den offiziellen Teil der Tagung.

Der Tagungsbus bringt die Teilnehmer zurück an die ARS, wobei viele Teilnehmer das Angebot einer organisierten Stadtführung durch Marburg nutzen, um die Stadt der Gebrüder Grimm besser kennen zu lernen. 

H. Böhm

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